Die Lok aus Bernau stoppen

Der Auftakt der Rückrunde gelang mit dem Derbysieg gegen Wedel, der Anschluss zu den Playoff-Rängen ist hergestellt. Doch jetzt wartet eine hohe Hürde auf die Itzehoe Eagles: Sonntag um 17 Uhr treten sie in der 2. Basketball-Bundesliga ProB bei Lok Bernau an.

Dass die Aufgabe schwer wird, zeigt schon eine einfache Statistik: In dieser Saison haben die Brandenburger noch nicht zu Hause verloren – und überhaupt passierte ihnen dies in den vergangenen Jahren nur einmal. Wie stark die Mannschaft des Tabellendritten ist, mussten die Eagles vor einigen Wochen erleben: In eigener Halle hatten sie beim 80:99 keine Chance. „Das Spiel war mir persönlich peinlich“, sagt Eagles-Coach Pat Elzie. Der Gegner habe nicht nur viel zu viele Punkte gemacht, es habe auch noch recht leicht ausgesehen. Das erste Ziel in Bernau lautet daher, die Ehre wiederherzustellen, noch lieber wäre Elzie aber eine echte Revanche: Trotz der Heimstärke des Kontrahenten fahre das Team dorthin, um zu gewinnen.

Allerdings warte auf die Eagles eine „sehr gute Mannschaft“, sagt der Coach. Junge Spieler wie der 19-jährige Aufbauspieler Bennet Hundt, der in dieser Saison für Alba Berlin schon im Europapokal aktiv war, hebt er ebenso hervor wie den erfahrenen Center Jonas Böhm oder den Amerikaner Dexter Werner. Bernau punkte statistisch gesehen sehr ausgeglichen und spiele die aggressivste und beste Verteidigung der Liga. Es gelte, den Rhythmus des Gegners zu stören und seine Dreier gut zu verteidigen, so Elzie. Da helfe es, dass wegen des Spieltermins am Sonntag ein Tag mehr für die Vorbereitung zur Verfügung steht: „Ich habe ein paar Ideen.“

 

 

 

 

 

Roberson nicht mehr im Kader

Lamar Roberson gehört nicht mehr zum Kader der Itzehoe Eagles. Der 32-jährige Amerikaner stand nur in zwei Spielen in der 2. Basketball-Bundesliga ProB im Aufgebot. Der schnelle Abschied habe seine Ursache nicht in den sportlichen Fähigkeiten Robersons, betont Eagles-Coach Pat Elzie. Doch er sei als Impulsgeber geholt worden zu einem Zeitpunkt, als sich die Eagles im Tief befanden, auch aufgrund diverser Verletzter. Diese Situation habe sich deutlich entspannt, einige Spieler seien früher zurückgekehrt als gedacht. Deshalb werde das ohnehin auf kurze Zeit angelegte Engagement in beiderseitigem Einvernehmen beendet. „Wir danken Lamar, dass er bereit war, uns zu helfen“, sagt Teammanager Stefan Flocken. „Für die Zukunft wünschen wir ihm alles Gute.“

Derbysieg - so gerade eben

Itzehoe Eagles gegen SC Rist Wedel – das gibt es scheinbar nur als Drama. Erneut lieferten sich die beiden Nachbarn aus der 2. Basketball-Bundesliga ProB einen harten Kampf, zum zweiten Mal in dieser Saison hatten die Eagles das bessere Ende für sich. In der randvollen Lehmwohldhalle schafften sie einen sehr wichtigen Sieg: 79:76 (18:28, 18:12, 22:19, 21:17).

Die Gäste aus dem Nachbarkreis mussten aufgrund diverser Ausfälle deutlich dezimiert antreten, vor allem hatten sie Größennachteile. Aber das nutzten die Eagles nur teilweise aus: „Wir waren manchmal nicht clever genug, den Ball nach innen zu bringen, wie wir das wollten“, sagte Coach Pat Elzie. Die Wedeler warfen alles hinein, was sie hatten – und das am Anfang im doppelten Sinne. Sie spielten schnell und mit viel Herz, und sie trafen hervorragend. Zwar wussten die Eagles um die Gefährlichkeit der Gäste aus der Distanz. Aber: „Wir wollten ihnen auf den Füßen stehen, das haben wir gleich am Anfang unglücklicherweise nicht gemacht“, sagte Elzie. Das erste Viertel dominierte so Wedel, während sich die Gastgeber sehr schwer taten. Das Positivste waren noch die ersten Punkte des lange verletzten Daniel Boahene in dieser Saison.

Auch im zweiten Abschnitt änderte sich das Bild erst wenig, bis auf 40:24 zogen die Gäste davon. Doch plötzlich zeigte die Eagles-Verteidigung Wirkung, in den letzten viereinhalb Minuten der ersten Halbzeit gelang Wedel kein Punkt mehr. Auf der anderen Seite fanden die Itzehoer unter dem Korb immer wieder Lars Kröger, der neun Punkte in Serie erzielte. So betrug der Rückstand zur Halbzeit nur 36:40.

Den besseren Start nach dem Wechsel hatte Wedel, dann traf Johannes Konradt einen Dreier, danach gelang Josh Wilcher endlich ein Korb: 44:45. Dem Führungsspieler klebte ansonsten das Wurfpech an den Fingern, dafür glänzte er als Passgeber. Jeder leistete seinen Beitrag, ob Frederik Henningsen mit wichtigen Würfen, Nelson Kahler mit drei geblockten Würfen in nur wenigen Minuten Einsatzzeit oder auch Kaimyn Pruitt als Rebounder, Punktesammler und Vorlagengeber. Aber jeder machte auch Fehler, die immer wieder Wedel in Vorteil brachten. „Das ist die ganze Saison schon so, wir stehen uns selbst im Weg“, sagte Elzie.

58:59 stand es vor dem letzten Viertel, in dem weiter fast durchgehend die Gäste knapp vorn lagen. Drei Minuten vor dem Ende verkürzte Henningsen auf 68:70, beim Stand von 71:72 gelang Wilcher eine enorm wichtige Verteidigungsaktion, als er ein Offensivfoul des Gegners provozierte. Kurz darauf stand der Australier nach einem weiteren Foulpfiff der Schiedsrichter an der Freiwurflinie und traf zwei Mal sicher: 73:72 für die Eagles. Wedel hätte von der Linie wieder in Führung gehen können, doch beide Versuche gingen daneben. Henningsen und Wilcher sicherten dann von der Linie nervenstark den Sieg.

Elzie pustete erleichtert durch: „Ein sehr hart erkämpftes Spiel.“ Über den Sieg zum Rückrundenauftakt – auch dank eines klar gewonnenen Rebound-Duells und sehr vieler Vorlagen seines Teams – sei er erst einmal glücklich, doch die anderen Ergebnisse zeigten, wie ausgeglichen die Liga sei. Und die nächste Partie wird besonders schwer: Am zweiten Advent geht es zu dem heimstarken Team von Lok Bernau.

Eagles: Frederik Henningsen (17, 3 Dreier, 6 Rebounds), Lars Kröger (13), Kaimyn Pruitt (12, 13 Rebounds, 7 Assists), Josh Wilcher (11, 10 Assists), Daniel Boahene (9, 10 Rebounds), Johannes Konradt (8, 2 Dreier), Nelson Kahler (6, 3 Blocks), Fabio Galiano (3), Lamar Roberson, Joachim Feimann, Erik Nyberg, Scotty Liedtke.

 

Weiße Wand im Derby

Zum Derby lautet das Motto „Weiße Wand“. Jeder soll mit weißer Oberbekleidung kommen – so wünscht es sich die Eagles Crew, Fanclub der Itzehoe Eagles, für das Duell mit dem SC Rist Wedel. Die Partie der 2. Basketball-Bundesliga ProB beginnt Sonnabend um 19.30 Uhr im Sportzentrum am Lehmwohld.

Der Rahmen soll passen zur Bedeutung des Spiels. Die Eagles und die Wedeler stehen punktgleich auf den Plätzen neun und zehn und damit außerhalb der Playoff-Ränge. Weil die Itzehoer vor drei Wochen das Hinspiel nach anfänglicher Dominanz am Ende knapp mit 74:72 gewannen, rangieren sie vor dem Gegner. Dieser hatte zuletzt Probleme, auch bedingt durch viele Verletzungen, und verlor fünf Mal in Folge, darunter am vergangenen Wochenende eine empfindlich hohe Heimniederlage gegen Wolfenbüttel. Und genau das macht das Aufeinandertreffen am Lehmwohld zu einem „sehr gefährlichen Spiel“, so Eagles-Coach Pat Elzie.

Dass das Derby ohnehin seinen eigenen Charakter habe, hätten die Eagles in der Vorsaison zu spüren bekommen. Die Niederlage am letzten Spieltag, die die Playoff-Teilnahme kostete, hat niemand vergessen. Es sei natürlich ein Vorteil, jetzt wieder vor den eigenen Fans zu spielen, sagt Elzie. „Das müssen wir auf jeden Fall ausnutzen.“

Es ist der Start in die Rückrunde, nachdem die Hinrunde mit nur vier Siegen aus elf Spielen sich das Etikett „nicht zufrieden stellend“ verdient hat. „Für uns ist es bis jetzt das wichtigste Spiel der Saison“, stellt der Cheftrainer fest. Einerseits gelte es, den Abstand nach unten zu vergrößern, vor allem aber müsse der Anschluss an die Playoff-Plätze gehalten werden. Dabei kann Elzie fast auf den kompletten Kader zurückgreifen: Nelson Kahler ist wieder einsatzbereit, allerdings fehlt weiterhin Kapitän Nick Tienarend mit einer Fingerverletzung.

In der Pause sorgt die Gruppe „The Movement“ aus der Tanzschule Kathrin Giesen für Unterhaltung. Da eine große Fanschar aus Wedel erwartet wird, sollte der Vorverkauf genutzt werden im Büro Jens Köhler (Itzehoer Versicherungen) am Marienburger Platz, bei Vision in der oberen Feldschmiede, in der Central-Apotheke im Oelmühlengang sowie online auf www.ticketflair.de. Einlass ab 18 Uhr.

 

Ein Zeichen setzen

Johannes Konradt ist das Itzehoer Eigengewächs. Der 22-jährige gebürtige Hamburger ist in Itzehoe aufgewachsen, verbrachte den Sommer mit Urlaub, individuellem Training und genoss die basketballfreie Zeit. Nachdem er bei den Piraten Hamburg in der NBBL immer mehr Einsatzzeit bekam, wurde ihm klar, dass er höherklassig Basketball spielen könnte. Der aggressive Defense-Spezialist versucht mit seiner Art, das Team nach vorne zu peitschen. Da es viele gute Spieler gibt, hat er kein bestimmtes Idol, dafür aber mit Heino Werner zwei weitere Vornamen, was kaum jemand weiß. Sportlich sowie auch beruflich möchte er an seine Grenzen gehen, alt und glücklich werden. Dem Publikum in Itzehoe spricht er ein riesengroßes Dankeschön aus für den jahrelangen Support.

 

Johannes, was war in den letzten fünf Minuten in Rostock los?

Sowas habe ich persönlich auch noch nicht erlebt. Wir haben bis dahin ein vernünftiges Spiel mit Höhen und Tiefen abgeliefert und uns dann mit individuellen Fehlern komplett aus dem Konzept bringen lassen. Wir haben aufgehört zu rebounden und nicht mehr so gut verteidigt wie über weite Phasen des Spiels. So richtig erklären kann ich es mir aber nicht, denn mit dem Pressing, das Rostock gespielt hat, sind wir ansonsten gut zurecht gekommen.


Nun sind Spiele in Rostock immer etwas Besonderes. Welchen Faktor spielt da die Kulisse von fast 3000 Zuschauern?

Im Normalfall treibt es einen an. Mich persönlich hat es nach vorne getrieben, denn es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn du einen Dreier triffst oder zurückkommst, die Führung eroberst, und die Halle ist ruhig. Aber es ist auch unheimlich schwierig, wenn die Heimmannschaft mit der Unterstützung des Publikums einen Lauf hat, da dann gegenzuhalten.


Wirft euch so eine Niederlage nach den zwei überzeugenden Siegen gegen Wedel und Essen wieder zurück?

Jetzt ist es extrem wichtig, an dem Fortschritt, den wir in den letzten drei Spielen gezeigt haben, auch in weiten Teilen in Rostock, festzuhalten. Wir werden die positiven Dinge aufnehmen und gewiss nicht den Kopf in den Sand stecken wegen fünf schlechter Minuten in Rostock.


Die Hinrunde ist rum. Ihr habt vier Siege und sieben Niederlagen auf dem Konto. Wie fällt dein Fazit aus?

Ganz klar hinter den Erwartungen. Wir sind sehr schleppend in die Saison gestartet und haben lange gebraucht, uns zu finden. Es war eben schwierig, da einige Spieler erst spät in der Vorbereitung dazu gestoßen sind oder sich verletzt hatten. Aber wir sind auf einem guten Weg. Es ist an der Zeit, nach vorne zu blicken, um ganz klar das Ziel Play-Offs zu erreichen und nicht erst im letzten Spiel. Denn das will keiner von uns noch einmal erleben.


Du bist seit Anfang an für die Eagles in der 2. Basketball-Bundesliga ProB aktiv. Bist du mit deiner Entwicklung zufrieden?

Wenn du als Sportler zufrieden bist, hast du meiner Meinung nach was falsch gemacht. Ich glaube, ich habe mich über die Jahre gut weiterentwickelt. Die Defense war lange Zeit mein Manko. Dass ich mittlerweile so stark verteidige, verdanke ich Pat mit seinem Umfeld und der Rolle, die er mir gegeben hat. Ich freue mich, dem Team von Saison zu Saison mehr geben zu können. Natürlich geht da noch sehr viel mehr, das erwarte ich auch von mir in der Rückrunde.


Deine Statistikwerte gehen auf jeden Fall nach oben. Mehr Einsatzzeit, mittlerweile 28 Minuten können sich sehen lassen. Du erzielst im Schnitt fast zehn Punkte und holst drei Rebounds. Wo siehst du noch Potenzial?

Ich sehe auf jeden Fall noch Pozential bei den Rebounds. In Bezug auf Größe und Einsatzbereitschaft ist da noch mehr drin. Zehn Punkte und fünf Rebounds sind mein Ziel. Mit meiner Dreierquote bin ich generell zufrieden, aber bei einfachen Punkten arbeite ich daran, noch treffsicherer zu werden.


Wie gut lassen sich für dich Ausbildung und Training in einer ProB-Mannschaft vereinbaren?

Es ist eine anstrengende Geschichte. Man verzichtet auf eine Menge Freizeit, aber diese möchte ich im Moment auch gar nicht anders nutzen, als Sport zu machen oder mich beruflich weiterzuentwickeln. Ich kann es nur jedem jungen Spieler ans Herz legen, wenn man ProB spielt, nebenbei noch eine Ausbildung oder ein Studium zu machen. Denn der Support und die Anerkennung, die man bekommt, sind es wert, so viel Energie da reinzustecken.


Am Wochenende kommt Wedel zum zweiten Derby innerhalb von drei Wochen zu Lehmwohld. Trotz des Sieges in Wedel habt ihr immer noch eine Rechnung offen, oder?

Das letzte Spiel gegen Wedel, das wir zu Hause bestritten haben, werde ich so schnell nicht vergessen (Anmerkung: Die Eagles verpassten mit einer knappen Niederlage die Playoffs in der Saison 2016/17). Es gab wenig Spiele, in die ich motivierter gegangen bin. Dementsprechend hat es gerade jetzt den Charakter, vor heimischer Kulisse allen zu zeigen, wer die Nummer 1 im Norden ist. Den ersten Schritt dazu haben wir schon in Wedel getan, das gilt es jetzt zu unterstreichen.

Denkst du in der Vorbereitung auf diese Spiele noch an das Spiel Ende Februar zurück?

Nein, denn es sind zwei komplett verschiedene Mannschaften. Es ist jetzt wichtig, dass wir zu Beginn der Rückrunde ein Ausrufezeichen setzen, um allen zeigen, dass mit uns jederzeit zu rechnen ist.

Noch ein Wort an die Fans!

Ein riesengroßes Dankeschön. Es ist für mich alle 14 Tage ein unglaubliches Glücksgefühl, wenn ich am Samstagabend aufs Spielfeld laufe und die Fans mir zujubeln. Es fühlt sich wie Zuhause an und ist auch mein Zuhause. Ich bin unheimlich, dankbar diesen Rückhalt zu spüren. Nicht nur daheim, sondern auch auswärts. Wenn bei uns manchmal Gästefans begrüßt werden, ist es sehr leise. Das konnte ich diese Saison bei unseren Auswärtsspielen nicht feststellen und möchte mal hervorheben, dass es nicht selbstverständlich ist, in so einer Liga immer eigene Fans beim Auswärtsspiel zu sehen, die einen anfeuern, egal, wo es auch hingeht. Für diese Unterstützung bin sehr ich dankbar.

Vielen Dank, Johannes, und viel Erfolg nächstes Wochenende!

Let's fly, Eagles!!

Interview: Michael Bansemer

 

Saisonstatistik Johannes Konradt 2016/17

 

Position Shooting Guard

Spiele 27

Einsatzzeit 17,17 Min

2 Pkt 33/71 46,5%

3 Pkt 24/67 35,8%

Pkt gesamt 138

Assists 16

Rebounds 25

Fouls 68

Blocks 1

Steals 18

Turnovers 36